Machen Sie Mädchen stark – Jetzt Pate werden mit Plan

Lübecker Nachrichten | 19. September 2006

Senta Berger eröffnet Schau über bittere Mädchenschicksale

Lübeck - Die interaktive Schau von Plan International lässt Besucher das Leben von Mädchen in der Dritten Welt nachempfinden. Senta Berger hat sie eröffnet.

Die dünne Matte - beim Probeliegen ganz schön hart. Die Probearbeit an der Teppichknüpfmaschine - ganz schön anstrengend. Der Wasserkrug, sekundenweise auf dem Kopf getragen - ganz schön schwer. Unvorstellbar, damit stundenlang von einem Brunnen ins Dorf zu laufen. Für Millionen Mädchen auf der Welt ist das, was Kinder und Erwachsene am Sonntag schon mal in der Lübecker Völkerkundesammlung testen durften, bittere Realität. Täglich. Ohne Aussicht auf Besserung.

Um deutsche Kinder in die ferne Lebenswelt benachteiligter Mädchen in der dritten Welt eintauchen zu lassen, hat das Kinderhilfswerk Plan International die Wanderausstellung "Weil wir Mädchen sind" konzipiert. Nach der erfolgreichen Premiere in Hannover mit mehr als 45 000 Besuchern ist die Schau nun bis Mitte März in Lübeck zu sehen.

Die Schirmherrin ist Senta Berger. Die Schauspielerin war am Sonntag höchstpersönlich in der Stadt, um nach einem starken Eröffnungsprogramm mit einem Grußwort von Bürgermeister Bernd Saxe, Breakdance, Musik und Textbeiträgen von Schülern der Baltic-Gesamtschule die Ausstellung offiziell zu eröffnen.

Sie habe auf ihren Reisen in die Dritte Welt Musikschüler erlebt, die vor ihrer Schule in der Schlange standen, nur um mit einem einzigen Musiklehrer zehn Minuten am Klavier spielen zu können. Schüler in Nepal, die in schäbigen Schuluniformen morgens und abends jeweils drei, vier Stunden zu Fuß zu ihrer Schule liefen.

"Solche Erlebnisse führen uns auch die Kostbarkeit der Bildung vor Augen, die wir schon gar nicht mehr als solche wahrnehmen", so Berger. Die Ausstellungsmacher hätten Wert darauf gelegt, mit möglichst wenig Text zu arbeiten. Vielmehr sollte der Inhalt der Mädchenkampagne fühlbar gemacht werden. So lobte auch Bürgermeister Bernd Saxe, das Publikum könne in der interaktiven Schau eine Reise erleben - hin zu fernen Kulturen. "Das passt zur Weltoffenheit unserer Hansestadt."

Das ist das Konzept: hören, sehen, riechen und fühlen, was die fernen Lebenswelten ausmacht. Gezeigt wird das exemplarisch anhand der Lebensgeschichte dreier Mädchen - aus dem afrikanischen Sahel, aus Indien und aus den Anden. Aus sehr persönlicher Perspektive wird großen und vor allem kleinen Besuchern ein lebendiger Eindruck vom Alltag und manchmal nicht unproblematischen Familienleben der Mädchen vermittelt.

Wie Marianne M. Raven, Geschäftsführerin von Plan Deutschland, bei der Eröffnung berichtete, gibt es nicht nur die Armen in der Dritten Welt. Unter ihnen werde noch mal unterschieden: zwischen Jungen und Mädchen. Das Wenige, das die Familien besitzen, kommt eher den Jungen zugute. Die Mädchen sterben früher und häufiger: an Vernachlässigung, Mangelernährung, vermeidbaren Krankheiten. Sie haben weitaus schlechtere Chancen, aus ihrem Elend auszubrechen. Die meisten besuchen gerade mal zwei Jahre lang eine Grundschule. "Die Schau lädt somit auch dazu ein, diese fremden Lebenswelten mit der eigenen in Deutschland zu vergleichen", so Raven.

Die Ausstellung "Weil wir Mädchen sind" ist noch bis zum 18. März in der Völkerkundesammlung, Parade 10, zu den Öffnungszeiten des Museums zu sehen: dienstags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr. Der Eintritt beträgt zwischen einem und drei Euro.



Von Kerstin Beckmann
Weil wir Mädchen sind... Eine Erlebnisausstellung vom Kinderhilfswerk Plan
25. Januar bis 26. Mai 2012 | Käfigturm – Ein Polit-Forum des Bundes, Bern/Schweiz