Machen Sie Mädchen stark – Jetzt Pate werden mit Plan

Weser-Kurier / Bremer Nachrichten / Verdener
Nachrichten | 2. Mai 2008

Farbenfroh und vielfältig wie die Länder dieser Welt
Das Hafenmuseum zeigt die Schau „Weil wir Mädchen sind...“


BREMEN. Das Leben ist ein einziges Lotteriespiel. Das Schicksal entscheidet, in welche Verhältnisse ein Kind hineingeboren wird. Das zeigt ein großes Glücksrad in der Erlebnisausstellung „Weil wir Mädchen sind...“, das am Mittwochvormittag von Schülerinnen der Gesamtschule West ausgiebig in Schwung gebracht wurde. Die vom Kinderhilfswerk „Plan International“ konzipierte Wanderausstellung ist, flankiert von einem umfangreichen Begleitprogramm, bis zum 10. September im Hafenmuseum im Speicher XI zu sehen.

Asha aus Indien, Djenebou aus dem afrikanischen Mali und Yoselin aus Ecuador nehmen die Ausstellungsbesucher mit auf die Reise in ihre unterschiedlichen Lebenswelten. In einer separaten Kammer werden die Gäste mit Dutzenden Porträts junger Inderinnen konfrontiert. Vielleicht eine stumme Erinnerung an die rund zehn Millionen Mädchen, die allein in den vergangenen Jahren in Indien getötet wurden. Auch ein indischer Vater wird in der Schau zitiert. Er wägt ganz pragmatisch ab, „dass es doch wohl besser wäre, 500 Rupien für eine Abtreibung zu bezahlen als 50000 Rupien für eine Mitgift“. Wie eine indische Braut, die oft bereits im kindlichen Alter verheiratet wird, sich fühlen mag, kann man in der Ausstellung mit einem orangefarbigen Hochzeits-Sari ausprobieren. Wer mag, lässt sich gleich noch die Hände mit den passenden Henna-Tattoos verzieren.

In der Anden-Abteilung werden unterdessen an kleinen Webstühlen schon eifrig Teppiche geknüpft, die genauso leuchtend bunt sind wie die gezeigten traditionellen Kleidungsstücke von Mädchen in Ecuador. In der Sahel-Abteilung der Schau wird zeitgleich Hirse in einem großen Mörser mühsam zu Mehl zerstampft. In Rezept-Tütchen können es die Besucher mit nach Hause nehmen.

Die Ausstellung ist für Kinder ab zehn Jahren gedacht. Neben dem spielerisch-interaktiven Zugang in separierten, abgedunkelten Kammern zeigt sie auch die schockierenden Seiten eines von harter Arbeit bestimmten Mädchenlebens in Entwicklungsländern.

Chancengleichheit ist dort oft genug ein Fremdwort.In Ecuador sind beispielsweise viele junge Frauen sexueller Gewalt ausgesetzt. Und in Afrika arbeiten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Plan International mit viel Fingerspitzengefühl an der Abschaffung der verbrecherischen Tradition der Genitalverstümmelung. Daran gehen immer noch viele Frauen elendig zu Grunde – für die Mädchen von der Gesamtschule West wohl der einschneidenste Eindruck an diesem Vormittag.


Von Sigrid Schuer
Weil wir Mädchen sind... Eine Erlebnisausstellung vom Kinderhilfswerk Plan
25. Januar bis 26. Mai 2012 | Käfigturm – Ein Polit-Forum des Bundes, Bern/Schweiz