Machen Sie Mädchen stark – Jetzt Pate werden mit Plan

Frankfurter Rundschau | 15. Mai 2009

Nicht nur für Mädchen – Djenebou aus Mali, Asha aus Indien und Yoselin aus Ecuador erzählen aus ihrem Leben / Erlebnisausstellung im Ledermuseum

OFFENBACH – Es ist eine ungewöhnliche Ausstellung, aber eine, die ins Profil des Hauses passt. So die Einschätzung von Christian Rathke, Leiter des Ledermuseums. In der Ausstellung "Weil wir Mädchen sind ..." sollen die Lebensbedingungen von Kindern in fremden Ländern sichtbar werden. Im Mittelpunkt stehen die Mädchen: Djenebou aus Mali, Asha aus Indien und Yoselin aus Ecuador. Sie erzählen in Videos von sich und ihrem Leben, von schwerer Arbeit oder der Schwierigkeit, in die Schule gehen zu können.
"Mach ein paar Schritte, dann kannst Du wählen, in welches Dorf Du reisen möchtest." Mit diesen Worten wird der Besucher aufgefordert, sich in den Dörfern und Wohnungen der Mädchen umzusehen. Irgendwo ist das Muhen einer Kuh zu hören. Es kommt zwar vom Band, weckt aber die Neugier. Wer dem Geräusch folgt, landet in einem indischen Dorf. Wer mag, kann in indische Gewänder schlüpfen, ein paar Worte auf Hindi schreiben. Schlafmatten auf dem Fußboden zeigen, wie eng die Familien in der Nacht zusammenrücken müssen.

Anfassen ausdrücklich erlaubt

In der Sahelzone kann sich jeder daran versuchen, wie mühsam es ist, Hirse zu Mehl zu stampfen. Oder wie schwer ein Eimer Wasser auf dem Kopf zu balancieren ist. In Ecuador, dem dritten Ausstellungsbereich, können Besucher Schafswolle kämmen, weben oder auf einer Panflöte spielen. Anfassen ist in dieser Ausstellung ausdrücklich erlaubt.

Dem Betrachter soll aber auch klar werden, welchen Menschenrechtsverletzungen Kinder ausgesetzt sind. "Behutsam wollen wir das Thema einem jüngeren Publikum nahe bringen", sagt Marc Tornow vom Kinderhilfswerk Plan International. Weil die Ausstellung für Kinder ab acht Jahren gedacht ist, werden heikle Themen wie Genitalverstümmelung bei Mädchen oder das Abtreiben von weiblichen Föten in "Kammern" gezeigt. Ein Vorhang verhindert den schnellen Blick. Nur wer sich ganz bewusst dafür entscheidet, kann sich auch damit befassen.

Nicht nur an Mädchen wendet sich die Ausstellung. Buben und junge Männer seien ausdrücklich willkommen, sagt Tornow. Offenbach ist die erste Station in Hessen. In München, der Station zuvor, haben rund 50 000 Kinder und Jugendliche in dreieinhalb Monaten "Weil wir Mädchen sind ... " gesehen. Ein umfangreiches Begleitprogramm unter anderem mit Vorträgen richtet sich auch an Erwachsene.


Von Angelika Ohliger


Weil wir Mädchen sind... Eine Erlebnisausstellung vom Kinderhilfswerk Plan
25. Januar bis 26. Mai 2012 | Käfigturm – Ein Polit-Forum des Bundes, Bern/Schweiz